
Nach zwei wahnsinnig coolen letzten Nächten mit letzem Gemeinsamen Weggehen und gemeinsamem Essen war mein Zeug gepackt und ich hab manchen auf Wiedersehen manchen leb' wohl gesagt und mich auf den weg nach Krakau gemacht, um dort einen zweiwöchigen Sprachkurs dranzuhängen - die Sprache soll ja nicht ganz flöten gehen... Der Kurs war gut und das Rahmenprogramm auch. Alleine war ich auch nicht, mein engster Kollege in Wroclaw (Ben aus Dresden) und Valerie (meine ehem. Mitbewohnerin aus München) waren auch dort. Noch einmal eine gute Zeit verlebt und unser Polnisch verbessert. Vor dem Abschlusstest wurden wir bezeichnenderweise von unserer polnischen Mitbewohnerin und ihrer Freundin bis früh abgefüllt und haben den Test verschlafen, durften aber nachschreiben.

Am nächsten Tag mit Ben ab nach Eckental nahe Nürnberg, wo Erasmuskollege Konrad seinen Geburtstag gefeiert hat. Zu meiner Freude musste ich nicht Bus fahren, was mit meinem Gepäck auch echt problematisch gewesen wäre, sondern wurde von Marcin und Michal aus meinem Kurs in Wroclaw aus meinem Kurs bis nach Eckental und letztendlich bis vor die Haustür nach München gefahren.
Tolle Feier (danke Konrad!), tolles wiedersehen mit der Freundin und toller Stadtrundgang mit Ben, Marcin und Michal. Viele Emotionen, am stärksten die, dass man was wertvolles mit nach Hause genommen hat. Ich kann nur jedem raten Erasmus zu machen. Sucht euch ein Land aus, das euch interessiert und stürzt euch rein. Für die allermeisten lohnt es sich.
[ 9 Rückblick ]
by erasmusinpoland
@ 31.01.2007 01:00 CEST

Ich hab' fast alle meine Klausuren geschrieben und der Abschied rückt näher. Ich muss sagen, ich bin ziemlich traurig darüber. Ich denk' drüber nach, was ich gelernt hab und was ich hier vermissen werde. Von der Uni her hätte ich mehr mitnehmen können, aber ich hab' schon deutlich mehr gemacht, als die meisten Leute hier, drum geht's meinem Gewissen soweit gut. Interessanter für mich ist, was ich über mich persönlich und andere gelernt hab'. Die ganze Erasmus-Sache hat für mich bedeutet über längere Zeit mit vielen Leuten meines Alters unterwegs zu sein, die ich noch nicht kenne. Ein gelungener, gesunder Tapetenwechsel. Woher soll man zuhause hat, wenn man nichts anderes kennt? Und nicht zuletzt hab' ich Freundschaft geschlossen.

Die Polen hab' ich als offenes und gastfreundliches Volk kennen gelernt, das aber auch seine (geschichtlichen und politischen) Probleme hat, die man auch als Ausländer mal zu spüren bekommt. Alleine über das Verhältnis zwischen Polen und Deutschland kann man sich seitenweise auslassen. Dazu ist dieser Blog aber nicht gedacht und ich trau es mir auch nicht zu. Es ist eine besondere Situation, dass die Polen, die einem begegnen, so stark die Meinung über ihr Land bilden. Umgekehrt bin ich froh, dass ein paar Polen sich stark von unserem deutschen Grüppchen angesprochen gefühlt und gerne Zeit mit uns verbracht haben. Ich wage zu behaupten: Auf studentischer Ebene ist das deutsch-polnische Verhältnis bestens ;)

So, jetzt habe ich ein bisschen Zeit außerhalb Wroclaws verbracht. Über Weihnachten war ich in München bei der Vreni und hatte da ein paar schöne und besinnliche Tage. Für zwei Tage haben mich John aus den USA und kurzzeitig auch Alex aus Dresden besucht. Haben uns zusammen München angeschaut, typisches Essen gegessen und so weiter. Sehr schön, war mein erster weit gereister Gast... Danach gleich weiter mit meinen Freunden nach Österreich um dort Sylvester zu feiern und danach wieder heim nach Wroclaw.

Langsam muss ich für die Fächer arbeiten, für die ich noch nicht so viel getan habe... Aber das Problem ist international, schätz' ich. Da kam mir der Ausflug in die Berge gerade recht, um mich von der Arbeit abzulenken. Wahninnig cooles Wochenende! Man stelle sich ein Hostel vor, das völlig abgelegen mitten in den Bergen liegt (die Leute nennen's Hütte, aber für mich ist das was anderes). Später im Jahr hätte man ein bisschen Skifahren können, aber so sind wir eben auf die Schneekoppe gewandert, was auch großen Spaß gemacht hat. Sehr schön war noch, dass sich trotz 15 Leuten keine Nationen-Grüppchen gebildet haben.

Das Miteinander erstreckt sich jetzt nicht mehr nur auf das Nachtleben: Ein Kollege aus Dresden hat einfach mal für 20 Leute Auflauf gekocht und der Abend war fantastisch! Musik, Bier und gute Laune - revanche angekündigt. Ich könnte außerdem massenhaft gutes über den polnischen Wodka sagen... Stattdessen etwas über die Polen (ich trau mich das jetzt mal). Im allgemeinen werden wir hier sehr, sehr freundlich aufgenommen. Die Mitarbeiter der Universität sind sehr hilfsbereit und die Studenten selbst sehr offen und interessiert an Ausländern. Leider gab es auch einen unschönen Zwischenfall: Einem aus der Erasmus-Gruppe wurde grundlos ins Gesicht getreten. Wie in jedem Land gibt es auch in diesem Leute, die Streit suchen und denen auch schon die Tatsache, dass man laut Englisch spricht, genügt um zu glauben, ihn gefunden zu haben. Das positive daran war, dass zwei Polen aus dem Wohnheim, denen das ganze furchbar peinlich war, am nächsten Tag spontan 6 Stunden (!) geopfert haben um dafür zu sorgen, dass der arme Kerl medizinisch versorgt wird. Wahrscheinlich kann einem das in jeder (Groß-)Stadt passieren...

Ein Wochenende mit Ben (Dresden) und Thys (Holland) in Dresden verbracht, wieder eine neue Stadt und deren Nachtleben gesehen und das auch noch mit Freunden. Oben ein Bild aus dem "Großen Garten".
Eine Sache die ich in München sehr vermissen werde ist der Umgang der Studenten untereinander. Man schüttelt sich jeden Morgen die Hand (jeder jedem, auch mir) und von unserer typischen Grüppchenbildung, die nach kürzester Zeit die Leute isoliert, hab' ich bisher garnichst gemerkt. Kontakte zu Knüpfen war hier überhaupt kein Problem. Ansonsten: an Advent haben wir im Wohnheim mal gezeigt, wie das in Deutschland gefeiert wird. Also Glühwein, Plätzchen und Lebkuchen für alle. Der Glühwein war nicht jedermanns Sache, aber hat trotzdem allen Spaß gemacht.

Es kann einfach nicht angehen, wie viele schöne Frauen in dieser Stadt rumlaufen! Wer Single ist (ich nicht, aber das ist gut so :), oder sich temporär dazu erklärt, wird schnell fündig. Ansonsten: Vreni (meine Freundin) hat mich besucht und ein paar schöne Tage hier mit mir verbracht. Jetzt weiß sie, dass ich in guten Händen bin ;) Die Feier-Highlights dieses Monats waren eine Architektenparty unter unter dem Motto "Mikrokosmos" (man stelle sich hunderte Studenten vor die als Insekten verkleidet sind und verschiedenste Musik plus Livekonzert!), sowie eine wunderbare Tramparty zu der unser französischer Kollege einen ebenso wunderbaren Film gemacht hat.
video.google.de/url

Außerdem hatten wir einen wunderschönen Herbst! An Allerheiligen haben wir zudem einmal einen Blick auf das traditionelle im polnischen Alltag werfen dürfen. Die Friedhöfe waren am Abend gespickt mit Kerzen und an einem zentralen Plätzchen im Friedhof hatte jeder noch eine extra Kerze aufgestellt. Warum weiß ich leider nicht, sah aber phantastisch aus und die Stimmung war beeindruckend.


Die Angebote werden nicht weniger! Ich hab' nicht gewusst, dass man hier so für unser Wohlergehen sorgt! Letzten Monat gab es einen Ausflug nach Poznan (für den ich leider keine Zeit hatte), eine Halloween Party und jeden Mittwoch eine Exchange Party (allerdings immer im gleichen Club). Überhaupt kann man hier echt gut weggehn und macht es auch eher als daheim, weil hier alles neu ist und die Leute mit denen man sich umgibt noch fremd sind. Wenn dann gelegentlich jeder mit jedem redet und eine Gruppe von 20 Leuten durch die Straßen zieht, macht das richtig Spaß! Manchmal hält das natürlich nicht lang, weil jeder seinen eigenen Geschmack hat, aber ich bin sehr zufrieden mit meinen Kollegen. Tatsächlich ist mir fast egal, wo's hin geht und welche Musik gespielt wird, denn ich kann meistens darauf zählen, dass die Stimmung gut ist und ich mit gerissen werde, sehr angenehm das...

Ja wir sind Studenten und als solche auch mit Pflichten behaftet. Wer ins Ausland will, muss der Heimatuni gute Vorschläge machen, was man am Ende des Semesters geleistet haben will. So hat hier jeder auch ein paar Fächer im visier, die er/sie angehen will. Erste Lektion: die polnische Kunst zu improvisieren. Generell hat man den Eindruck, dass den Professoren/innen viel daran gelegen ist, den Ausländern etwas zu bieten, ohne vorauszusetzen, dass sie Polnisch können. Wer einen auf englisch gehaltenen Kurs wählt, kann zwar nicht sicher sein, dass es den auch wirklich gibt, dafür aber sehr wohl, dass die Profs sich alle Mühe geben, dass man trotzdem irgendwas bei ihnen studieren kann. So kommt's dass ich in zwei von fünf Kursen nie eine Vorlesung besuchen werde, sondern mit Buch und Fragestunden auf meine Prüfungen in diesen Fächern vorbereitet werde. Zum Teil machen die das sogar unbezahlt, wenn ich richtig verstanden hab.
Die ersten Vorlesungen beginnen hier um halb 8. In München kommt man um die Zeit noch nicht mal in die Uni rein...
Video (1MB):
Gaudeamus Singen. Eine Tradition, die von der ehem. Königlich Technischen Hochschule Breslau übernommen wurde. Das Thema kennt glaub ich jeder, kommt auch öfter mal in Filmen vor. Eingeladen waren alle Studenten, v.a. die ausländischen, um mitzusingen. Hat leider geregnet und es waren nicht viele da, aber trotzdem nett sowas mal zu sehen.

Es geht mir gut, ich lerne jeden Tag jemanden kennen und muss mir keine Sorgen machen, mich je wieder zu langweilen, solange ich hier bin: kaum ist die "offizielle Orientierung" vorbei, beginnt das Ausgehen in kleinen Grüppchen. Ab in die Studentenkneipe auf ein Bierchen oder zum Nachbarn auf ein bisschen Wodka (der hier übrigens deutlich besser schmeckt). Überhaupt ist das Wohnheim sehr unterhaltsam: Hier singt einer, da diskutiert jemand angeregt über's kochen, woanders läuft Musik. Wer etwas braucht klopft beim Nachbarn, wer kocht, lädt die anderen ein und überhaupt verbringt man viel Zeit zusammen.

Allerdings wird bald wieder Rahmenprogramm geboten und wir fahren (fast) alle nach Gdansk (Danzig). Das war wohl das anstrengendste Wochenende, dass ich seit langem hatte. Das Programm war sehr straff und ließ kaum Zeit zum Verschnaufen. Das bedeutet aber nicht, dass das der Stimmung abträglich gewesen wäre! Viel Spaß, ein bisschen Kultur (Ausflug zur Westerplatte, Stadtführung) und ein SUPER Abend auf eigene Faust mit einem Kollegen aus Dresden.
Video (2MB):
Mahir gibt Tips Für's Türkisch lernen (auf Türkisch). Aufgenommen im Wohnheim während einer "Montagsparty", was die Sache erschwert hat.
Ich hatte ja erwartet, dass man erst mal sich selbst überlassen wird und auf eigene Faust erkunden geht, aber falsch gedacht! Am Tag nach meiner Ankunft ging hier das Orientierungsprogramm los und die Zuständigen Leute an der Uni haben uns erst mal die weiteren nötigen Schritte erklärt (Formalitäten sind sehr beliebt in Polen), haben uns die Bibliothek gezeigt und uns für den Großteil der folgenden Tage vertrauensvoll in die Hände der Leute vom
Erasmus Student Network, kurz ESN, übergeben.

Diese netten Leute haben uns nicht nur mit formalen Dingen an der Uni geholfen (Überweisungsträger ausfüllen, Verträge Vorgbereiten, auf Deadlines hinweisen), sondern haben sich auch vieeel Mühe gegeben, uns ein paar richtig angenehme erste Tage zu ermöglichen in denen sich alle beschnuppern konnten: dass für uns gleich ein ganzes Boot bereit stehen würde wo gegrilltes Fleisch zum Nulltarif zu haben war, das hätt ich nicht erwartet. Mit den richtigen Ortskundigen wurden dann auch Kneipentouren mit allen Erasmus Studenten (gute 50 and er TU) veranstaltet, die ich jetzt nur noch als Durcheinander von neuen Gesichtern, verschlungenen Wegen und viel Bier in Erinnerung hab. Aber cool war's.
Zur Bootsfahrt hat Patrick einiges an Bildern gesammelt. Rechts bei den Links (höhö) klicken, oder
hier.

In den ersten Stunden meines Aufenthalts hab ich schon viele Eindrücke gesammelt und meine neue Umgebung beschnuppert. Wroclaw (
gespr. Wrozwaw) ist zwar, so sagt man, die europäischste Stadt Polens, aber die Unterschiede zu München sind halt doch da und fallen auf:
Die Straßen sind weniger hell beleuchtet, die Gebäude weniger pedantisch gepflegt ;) Man sieht neben den schönen Kirchen und alten Gebäuden eben auch die typischen Plattenbauten und sieht vielleicht ab und an ein Schlagloch mehr als gewohnt.
In dieses Land kommt man wohl auch kaum für den Luxus.

Nach meiner Ankunft am Bahnhof und der Fahrt ins Wohnheim hab ich mich gefühlt wie im Schullandheim. Erst mal Bett beziehen, Gepäck ausräumen, gespannt sein wer zu mir ins Zimmer kommt, keine Ahnung haben, was morgen passiert. Am nächsten Tag orientieren: Wo bin ich, wo die Uni, wo die Altstadt? Was kostet ein Ticket? Wie mach ich der Frau am Schalter klar, was ich möchte? Wo essen? Was darf wieviel kosten?
Gut dass die Valerie auch da ist. So war der erste Abend beim Bier direkt am Rynek (Marktplatz) eine erste Möglichkeit sich auszutauschen und zu entspannen...
Video (0,5 MB):
Erste Nacht im Wohnheim. Irgendwer hat hier ne riesen Anlage im Zimmer... Die Wohnanlage besteht aus fünf solchen Plattenbauten (Platz für ca. 2500 Leute). Was man leider schlecht sieht ist, dass unten ein Set für Filmaufnahmen steht. Weiß leider nicht wofür.